Gymnasien erhalten weniger Mittel und Wertschätzung

von Administrator EMW

Artikel aus NZZ von 2. Oktober 2017

kru. · «Bildung kürzen, Dummheit würzen» stand auf einem der Plakate, als Schülerinnen und Schüler vergangenen April in Zürich, Luzern, Aarau, Basel und Genf gegen den Bildungsabbau demonstrierten. Die unerwünschte «Würze» trifft die Bildungsbereiche unterschiedlich hart. Denn insgesamt sind die öffentlichen Bildungsausgaben in der Schweiz nicht etwa gesunken, sondern seit 2000 um knapp 60 Prozent auf rund 36 Milliarden Franken (Stand 2014) angestiegen.

Die Gymnasien allerdings gehören zu jenen Bereichen, die im Zug von Entlastungsprogrammen in den meisten Kantonen Federn lassen mussten. Zwischen 2011 und 2014 sind die Ausgaben für Gymnasien und Fachmittelschulen schweizweit netto um 1,7 Prozent auf 2,32 Milliarden Franken gesenkt worden. Setzt man diese Ausgaben in Relation zu den gesamten öffentlichen Bildungsausgaben, so ist ihr Anteil innerhalb von 15 Jahren von 8,4 Prozent auf 6,4 Prozent zurückgegangen.

Die Proteste der Schülerschaft im Frühling waren auch Ausdruck dieses relativen Bedeutungsschwunds der Gymnasien in der Bildungslandschaft. Jüngst hat zudem die Lehrerschaft ins Klagelied eingestimmt. Studien hatten ergeben, dass sich im Lauf der letzten zwei Jahrzehnte nicht nur ihre Löhne negativ entwickelt, sondern auch ihre Arbeitsbedingungen verschlechtert haben. Die meisten Lehrpersonen seien überlastet, besonders durch Aufgaben, die nicht direkt mit den Schülern oder dem Unterricht zu tun hätten, sondern mit Administration oder Absenzenkontrolle. Der Verein der Schweizer Gymnasiallehrer fordert deshalb unter anderem eine Verringerung der Schülerzahl pro Klasse, eine Entlastung der Lehrkräfte von Zusatzaufgaben, eine Reduktion des Unterrichtspensums und schlicht attraktivere Anstellungsbedingungen. Die Vertreter der gymnasialen Ausbildung werden indes ihre Lobbyarbeit intensivieren müssen, wollen sie von der Politik besser gehört werden.

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